Achterbahnfahrt der Gefühle (Beitrag vom 17.01.2015)

Wie oft habe ich mir gewünscht, ich hätte einen flachen Bauch wie die meisten meiner Freundinnen, einen runden und knackigen Po wie ihn Athletinnen haben .. keine einzige Delle, die die Beine unschön darstellt.. wie gerne wäre ich grösser als meine knappe 1.60m geworden und wie gerne hätte ich eine schmale Taille und um Gottes willen keine breiten Hüften gehabt.

Wünsche. Träume. Sorgen. Unsicherheiten. Selbstbewusstsein. Gedanken. Vergleiche.

Vergleiche. Ich denke, nein ich bin mir sogar sicher, dass das ständige und durchaus unbewusste Vergleichen mit anderen Menschen unseres Geschlechts ein viel grösseres Problem ist, als wir es zu glauben wissen. Ein Idealbild im Kopf macht es vielen von uns schwer, sich und seinen Körper zu akzeptieren.

Dazu kommt, dass wir andere auf verschiedenster Art wahrnehmen. Andere, die in unseren Augen diesem Idealbild viel näher sind als du oder ich. Andere, die in deinen Augen perfekt sind.. und dann sieht man sie an und fragt sich, ob sie wohl zufrieden mit sich selber sind. Bestimmt sind sie es.. Sie haben ja keine sichtbaren Makel.

Doch genau diese Person, die du in deine Gedanken und Sorgenwelt reinlässt, hat bestimmt auch ihre Sorgen und Zweifel. Sie zeigt es nur nicht. Du ja vielleicht auch nicht? Wieso auch? Schwäche ist heutzutage unerwünscht und wird ignoriert.

Vielleicht geht es dir wie mir und du weisst nach einer Achterbahn von Zufriedenheit aber auch all den Zweifeln, Tränen und Sorgen überhaupt nicht mehr, ob du DIR trauen kannst.

Deine Wahrnehmung.

Du zweifelst, ob das was du siehst, nicht von deiner Unsicherheit beeinflusst werden könnte.. dass diese Person, die du siehst, eventuell doch gar nicht so makellos ist, wie sie dir scheint. Und dann bist du noch ein Stückchen mehr verunsichert. Doof. Nein, scheisse.

Diese und mehr Vorgänge in unserer Gedankenwelt führen dazu, dass man demotiviert und verunsichert ist, dass man sich selbst nicht schätzt, den eigenen Körper nicht richtig wahrnimmt.. an sich rum meckert und dass man sich viel zu viele Gedanken macht. Gedanken, die die Laune verschlechtern oder den Tag vermiesen.. Gedanken, die dich dazu verleiten, an dir zu arbeiten. Doch muss das sein? Muss man das ganze Jahr, also 365 Tage an sich und seinem Körper arbeiten? Den ganzen Tag an böse Gedanken verschwenden und nachts unruhig schlafen, weil man eine Mission vor sich hat. Eine Mission, die nie aufzuhören scheint, weil man immer mehr erreichen möchte oder weil man versagt… oder weil man eine Pause einlegt. Eine Mission, die pures Glück und endlich Zufriedenheit verspricht. Ob sie es einhält? Hm.

Nein muss man NICHT. Wenn man aufhört, an seinen Ecken und Kanten zu feilen, fängt man stattdessen an, diese nach und nach zu akzeptieren.. bis man schliesslich in aller Ruhe leben kann.

Klar, man kann sich vornehmen das Jahr 2015 zu DEM JAHR zu machen, an dem man seine Disziplin zeigt und sein bestes gibt, um möglichst gut auszusehen. Diäten, Fitnesskurse und vieles mehr bieten die Möglichkeit, seine Träume endlich zu verwirklichen. Doch wo führt es hin, wenn man Jahr für Jahr eine Achterbahn fährt? Eine Achterbahn, die von Höhen und Tiefen gekennzeichnet ist. Sie wirbelt dich herum und nimmt keine Acht auf dein wirkliches Wohlbefinden.

Ich bin ausgestiegen, denn diese Achterbahn nahm keine Acht auf mich. Ich bin ehrlich. Mir ging es manchmal echt elend. Manchmal weinte und weinte ich, weil ich mich nicht mehr unter Kontrolle hatte. Ich verstand nichts mehr: Wie konnte es sein, dass ein so winziger Mensch mit einem so winzigen Bauchraum so viel Essen in sich stopfen kann? und das binnen Minuten. Wahnsinn. Ich alleine war dafür verantwortlich, dass es mir danach stundenlang übel war. Ich hatte wahnsinnig starke Bauchschmerzen. Mein Magen rebellierte. Doch das war schlussendlich alles Nebensache! Ich konnte zum Teil nicht mehr schlafen, schränkte mein Essen ein oder verzichtete ganz auf gewisse Speisen, um sie mir nach kürzester Zeit, innerhalb kürzester Zeit wieder reinzustopfen!

Reinstopfen. Gott, wie ich dieses Wort verabscheue. Mit Genuss hat es nichts zu tun. Dabei soll Essen Genuss sein. Wie es nicht traurig machen soll, soll es aber auch nicht trösten. Essen hat eine Funktion und zwar ist es, unser Körper auf die richtige Art und Weise zu ernähren und Energie zu spenden, damit unser Körper alltägliche Dinge wie Laufen, Atmen oder Denken erledigen kann. Und wir? Wir sollten es schätzen, dass wir diese Möglichkeit haben.

Ich passe vielleicht nicht mehr in ein XS oder in Grösse 34. Ich sehe auf einige Fotos unvorteilhaft aus, ja. Aber ich wollte endgültig keine Achterbahn mehr fahren, weil ich diese Art Achterbahnen nicht mag. Stattdessen will ich glücklich sein. Nein, ich bin glücklich. Und du?

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*Dieser Beitrag ist von meinem alten Blog importiert. Der Blog hiess damals www.m0reniita.blogspot.ch

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