Zufriedenheit und Lebensqualität (Beitrag vom 16.04.2015)*

Was darf ich heute essen? Was / wie soll ich morgen trainieren? Auf was habe ich eigentlich Bock? Ach.. Keine Ahnung. 


. . . Fragen über Fragen. Ich bin total verwirrt. So verwirrt, dass mein Kopf keinen Platz mehr für negative Gedanken hat.. Oder für Gedanken allgemein. Ach, ich mag nicht mehr.. Wieso kann ich nicht einfach schlank sein, ohne darunter leiden zu müssen? Ohne darüber nachzudenken, was ich essen darf und wie viel Sport ich machen muss?


. . . hmm.  Also. Wenn ich jetzt Brot esse, dann steigt doch mein Insulin Spiegel, dabei möchte ich doch Fett verbrennen. Kontraproduktiv. Also mache ich mir einen Teller Gemüse und Putenfleisch? 

. . . mein Kopf! ich habe keinen Platz  für noch mehr Gedanken. Wie kann ich diese bloss ausschalten?


Vielleicht gibt es einige unter euch, die genau diese Gedanken kennen.

Vielleicht gibt es auch einige unter euch, die zwar diese Gedanken nicht kennen, aber wissen, wie sich Unzufriedenheit anfühlt.

Unzufriedenheit lässt sich nicht nur durch Körperwahrnehmung und dem Essverhalten ausdrücken. Jeder von euch war bestimmt schon einmal unzufrieden. Sei es wegen schlechten Noten, wegen blöden Diskussionen, die man geführt hat, wegen dem Arbeitsplatz oder sogar wegen der Liebe.

Wenn die Unzufriedenheit aber Ausmasse annimmt, sodass sie dein Alltag bestimmt, dann muss man etwas ändern.

Wenn ich etwas über unsere Gesellschaft gelernt habe, ist es, dass jeder einzelne von uns nach mehr und mehr strebt. Mehr Zufriedenheit. Mehr Geld. Mehr Anerkennung. Mehr Liebe. Mehr Lob. Wieso sollte eine Person aufhören, nach mehr zu streben, wenn es alle anderen auch nicht tun? Dann würde man ja auf der Strecke bleiben! Aber . . .

Wenn man ständig versucht, das Beste aus allem zu holen und sich nie zufrieden gibt, dann vergisst man das zu schätzen, was man schon erreicht hat.

Wenn man immer darauf aus ist, etwas besseres zu finden oder etwas besseres zu werden, dann geht man die Gefahr ein, dass man mit dem was man hat, niemals zufrieden sein wird.

Wo bleibt denn die so sehr ersehnte Lebensqualität? Wo?

Maria möchte gerne die langen Beine von Anna haben. Anna wiederum strebt den flachen Bauch von Sandra an. Sandra jedoch sieht sich selbst als „noch nicht gut genug“ und vergleicht sich mit Bildern von anderen Frauen auf Social Media’s wie Facebook oder Instagram.

Ich war einmal dünn. wirklich dünn. Ich war zwar stolz auf das, was ich binnen kürzester Zeit erreicht hatte, aber ich war unglücklich. Ich wollte mehr: mehr abnehmen, mehr Muskeln, mehr Anerkennung, mehr Lob und mehr Zufriedenheit. Aber anstatt zufriedener zu werden, wurde ich unzufriedener. Der selbstauferlegte Druck, allzeit perfekt auszusehen und die Angst, dass Erfolge ausbleiben könnten, trieben mich in ein ungesundes Verhalten.

Essen – Sport – weniger Essen – mehr Sport – Überessen – gar kein Sport!

Wo also blieb die Lebensqualität und die angestrebte Zufriedenheit? Lebensqualität ist in meinen Augen nicht, wenn man auf Speisen freiwillig verzichtet, die man eigentlich über alles liebt. Oder wenn man mehr Sport macht, als es dem eigenen Körper lieb ist.

Lebensqualität?

Die war in weiter . . . sehr weiter ferne.

Doch wieso? Weil ich mich der Gesellschaft anpassen wollte. Der Gesellschaft, die sich nie zufrieden gibt.. der Gesellschaft, die eine endlos lange Schlaufe an Erfolgen anstrebt. Eine Gesellschaft, die Normen vorgibt. Normen, die aber nicht für jeden massgeschneidert sind.

Ich musste mich damit abfinden, dass ich zwar Sport machen  – und mich gleichzeitig jederzeit gesund ernähren kann, aber niemals DIE FIGUR und DIE ANERKENNUNG erhalten werde, die ich einst anstrebte. Weil ich Essen in allen Variationen liebe und nie wieder auf etwas verzichten möchte!

Es hat halt nicht geklappt. Ich bin mehrmals umgefallen und immer wieder aufgestanden. Das Problem war: Ich ging immer und immer wieder in dieselbe Richtung! Dann fällt man zum x-ten Mal wieder hin. Doch irgendwann muss man etwas ändern und eine andere Richtung ausprobieren.

Anstatt sich immer mehr der Norm anpassen zu wollen, aus Angst, nicht akzeptiert zu werden oder nicht dazuzugehören, sollte man sich mit dem was man hat abfinden. Auch ich musste das lernen.

Der Mensch ist eben so wie er ist. Er wird (egal in welchen Situationen) immer nach mehr streben. Das ist das Leben, der Nervenkitzel . . der Ansporn. Aber man sollte trotzdem das schätzen, was man schon hat und das akzeptieren, was nicht auf langer Sicht veränderbar ist.

So mache ich das mit meiner Figur. Wenn es kein definierter Bauch sein soll, dann wird es eben nie einer sein. Hauptsache ICH verliere nicht die Freude am Essen, am Sport und am Leben allgemein.

Selbstliebe und Selbstakzeptanz sind für mich die Schlüssel zum Erfolg.

Eure Morena.

zum Bild: Das Foto im Badekleid entstand im 2011 – ich habe dieses Badekleid mit Stolz getragen, auch wenn mich der Bauch störte. Aber ich habe gern gegessen und mich nicht für irgendwen verstellt. Das andere Bild entstand im 2013 – nachdem ich über 8kg verloren hatte. Ich hatte Angst, wieder zuzunehmen .. und plötzlich alle Anerkennung zu verlieren. Angst, nicht mehr der Norm zu entsprechen.

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*Dieser Beitrag ist von meinem alten Blog importiert. Der Blog hiess damals www.m0reniita.blogspot.ch

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