what if the world was blind? (Beitrag vom 16.09.2015)*

Hallo liebste Leser der Welt!

Im moment weiss ich gar nicht, über was ich als nächstes schreiben soll. Echt nicht. Nicht, weil ich ideenlos bin. Ganz im Gegenteil: Ich liege nachts im Bett und mir schiessen die Ideen und Gedanken wie Pfeiler durch den Kopf. Wild durcheinander. Eine Idee führt zur nächsten und manchmal.. aber auch nur manchmal bin ich dann so hibbelig, dass ich am liebsten meine Bettdecke wegschieben und meinen MacBook aufschalten möchte. Doch dann hoffe ich ganz fest, dass ich am nächsten und übernächsten Tag noch alles weiss und versuche mich in die Traumwelt zu wagen.

Okay, fertig philosophiert. Hier ein für mich wichtiger Beitrag, den ich schon lange schreiben wollte.

Diäten. Kuren. Programme. Hungern. Cheatdays.

Ziel: perfekte Figur, perfekte Gesundheit, perfektes Leben. Was auch immer.

Ich muss hierbei erwähnen, dass ich niemanden angreifen möchte und grundsätzlich dafür bin, dass jeder sein Leben so lebt, wie er es möchte und ich deswegen niemanden verurteile. Niemals.

Aber wenn ich durch Instagram scrolle und gefühlte 300 verschiedene Beiträge zu Diäten, Kuren und Programme sehe, dann überkommt mich ein mulmiges Gefühl. Es ist weniger aggressiv sondern eher fürsorglich. Ich weiss nicht wie ich das beschreiben soll, aber manchmal.. wenn ich mich durch Instagram und seine Posts klicke, dann entwickle ich so ein Mami- Gefühl und möchte am liebsten alle meine Kinder vor diesem bösen bösen Fitnesswahn schützen.

Und das nur, weil ich selber mal in ganz schlechte Gewohnheiten gerutscht bin, aus denen ich heute noch schwer rauskomme.

Ich wusste nie, was ein Jojo- Effekt ist. Also klar, wusste ich, um was es sich dabei handelt und wie man zu einem Jojo- Effekt kommt. Doch dass ausgerechnet MEIN Gewicht dieser Jojo sein wird, der immer wieder rauf und runter geht, hätte ich nie im Leben gedacht.

Ich habe schon immer gerne und viel gegessen. Ob es dann gesund oder ungesund war, darüber hatte ich mir nie gross Gedanken gemacht. Denn ich wusste nicht, was in meinem Körper passiert, wenn ich Kohlenhydrate esse, geschweige denn, wenn ich immer wieder zu viele oder ungesunde KH esse.

Ich wünsche mir heute noch, all diese Informationen irgendwie aus meinem Kopf zu verbannen und einfach wieder so zu essen, wie ich es vorher gemacht hatte. Ich war nämlich nie dick. Ein bisschen mollig ja, aber ich war eigentlich ganz glücklich.

Nicht zu glauben, dass ich mit 21 Jahren ausgerechnet wegen dem Essen unglücklich, ja fast depressiv wurde. Ich wusste auf einmal nicht mehr, was richtig und was falsch ist. Die Gedanken die ständig nur ums Essen und nicht Essen kreisten, machten mich wahnsinnig müde. Ich war seelisch erschöpft.

Wieso?

Ich hatte meine Ernährung von einem Tag auf den anderen umgekrempelt und versuchte, mich 1. immer gesünder zu ernähren und 2. möglichst viel Informationen über Fitness und Gesundheit zu holen. Ziel? Mich stetig zu verbessern, nicht nur schöner und fitter auszusehen sondern auch gesundheitlich fitter zu werden.

Was habe ich dabei gemacht? Ich ass mehrheitlich Obst und Gemüse, aber auch Eiweiss und Vollkornprodukte. Doch dann fing ich irgendwann an, immer mehr aus meiner Ernährung zu verbannen. Natürlich mehrheitlich unbewusst. Zuerst waren es Süssigkeiten, dann Schokolade, dann allgemein Produkte, die Zucker enthielten.. dann wurden aber auch Vollkornprodukte am Abend gestrichen, bis ich mich irgendwann komplett weigerte, Kohlenhydrate zu essen.

Es ist völlig bescheuert (sorry!), dass ich sogar auf Früchte verzichtete, da der böse Fruchtzucker mir Angst einjagte. Aber das meine Lieben, war eine Diät-Phase.

Low Carb.

Das führte natürlich dazu, dass irgendwann der Heisshunger kam. Zuerst kam er vielleicht alle zwei Wochen. Dann jede Woche einmal.. dann 4x in der Woche.. und dann? An einem Tag ass ich aus Frust sogar zweimal richtig richtig viel.

Ich erkannte mich nicht mehr. Zum Glück habe ich rechtzeitig gemerkt, dass das ungesund ist. Also habe ich mich weiter informiert, nur war das Thema nicht mehr wie kann ich meine Figur stetig verbessern“ sondern Essstörungen, Binge- Eating, Bulimie und wie gelange ich wieder zu einem normalen Essverhalten zurück.

Es war und ist gar nicht so einfach, wenn man den Kopf und den Körper an etwas gewöhnt hat, was zum Ziel führen soll, dem Idealbild näher zu kommen. Wieso sollte man sich so akzeptieren wie man ist, wenn jeder nach besser, schöner, erfolgreicher strebt? Wieso sollte man gefühlt der einzige Mensch sein, der nicht mehr mit dem Strom fliesst? Und: wie zum Teufel kommt diese Unbeschwertheit zurück, wenn man schon den Mut hat, gegen den Strom zu schwimmen?

Ich hab wirklich viel durchgemacht und möchte an dieser Stelle auch kein Mitleid oder Lob oder was auch immer. Aber eins kann ich euch sagen: Man muss eben einiges durchmachen, um dann von den Erfahrungen zu lernen und zu profitieren. Deshalb ermuntere ich auch alle immer wieder, niemals aufzugeben, egal ob es jetzt ums Thema Fitness, Essen oder Job geht.

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Jetzt komme ich zum eigentlichen Punkt, wieso ich diese ganzen Programme, Kuren und Diäten nicht (mehr) unterstütze. Wie gesagt: es ist euer Leben und ihr dürft eure Erfahrungen machen. Ich habe auch einige Erfahrungen gesammelt, vor allem, wenn es um Diäten geht. Hier eine Aufzählung:

– Low Carb High Fat

– Low Fat High Carb

– Biotta Wellness Woche

– Stoffwechselkur

Bei all den Ernährungsweisen hat sich mein Alltag nur um Ernährung und Essen gedreht. Ich sass morgens in einer Vorlesung und meine Gedanken kreisten ausschliesslich um das Mittagessen:

heute habe ich einen Salat dabei, also dürfte ich heute Abend ja doch noch Kohlenhydrate essen.. 

.. aber wenn ich Kohlenhydrate esse, dann stoppt das meine Fettverbrennung.. dabei möchte ich doch so gerne endlich einen flacheren Bauch haben. Alle sagen ja: 80% Ernährung und nur 20% Training! 

.. dann geh ich eben nach dem Essen ins Training.

oh man.. eigentlich bin ich viel zu müde für’s Training. Dann lasse ich eben die Kohlenhydrate weg! 

.. Wieso bin ich eigentlich immer so müde? 

.. Eigentlich kocht Mama ja heute und wenn ich ein Drama mache, wenn sie Spaghetti kocht.. dann kommt das heute Abend eh nicht gut raus. 

Ich esse einfach das, was auf den Tisch kommt! 

Ach.. Egal, ich werde schon nicht gleich zunehmen.. 

Das ist nur ein Bruchteil meiner wirren Gedanken damals. Ich weiss bis heute nicht, ob ich gut oder schlecht informiert war und bin. Logisch, sind Kohlenhydrate am Abend und auch allgemein nicht verboten, doch so tickte mein Hirn. Ich weiss nur, dass ich am liebsten keine Informationen in meinem Kopf hätte, wenn es um Ernährung und Fitness geht. Wieso?

Weil Essen von mir ausgesehen Genuss und nicht Frust bereiten soll. Jetzt denkt sich bestimmt der eine oder andere, man kann Essen geniessen und trotzdem fit und schlank sein, alles kein Problem.  Ja, nur wie viel Prozent der Gesellschaft (vor allem Frauen) können das? Wer lässt sich heutzutage nicht beeinflussen?

Die Werbeindustrie beeinflusst uns schon seit geraumer Zeit dies ganz unbewusst. Die TV- Spots über Schokolade und Pizza werden gezielt eingesetzt, um unsere Lust zum Essen und Kaufen anzuregen. Dass wir dann plötzlich Lust danach haben, können wir eigentlich nichts für. Nun kommen aber noch die Zeitungen, Zeitschriften, Werbeplakate und SOCIAL MEDIA hinzu, die auch einen großen Einfluss auf uns haben.

Gerade Instagram ist DIE Plattform, die in meinen Augen einerseits Menschen näher bringt, andererseits die Kraft besitzt, einen einzigen Menschen innerlich zu spalten. Hört sich ziemlich krass an, aber hier ein Beispiel: Man sieht ständig, wie fleissig und diszipliniert einige sind. Man möchte irgendwie dazugehören und wird mitgerissen. Auf der anderen Seite entspricht dies nicht dem Naturell dieser Person, denn soo sportlich ist sie nicht. Was macht sie also? Sie macht mit. So lange, bis sie merkt, dass das nicht ihr LIFESTYLE ist.

Auf Instagram wird viel kommuniziert und verbreitet, vor allem eben auch Programme. Der aktuelle Hype ist die Stoffwechselkur. Zuerst war es Size Zero, dann Live It. Lift it. und dann Kayla. Dazwischen sehe ich immer wieder Menschen, die sich Low Carb ernähren.

Ich kenne einige Programme nicht, weshalb ich nicht näher drauf eingehen werde und nichts über diese Programme sagen kann.

Ich habe die Stoffwechselkur gemacht und würde jetzt nicht etwas darüber schreiben, wenn ich diese Kur nicht kennen würde. Ich war diesem Programm gegenüber ziemlich skeptisch, vor allem weil ich sah, dass es sehr viele Jugendliche mit einer wunderschönen Figur gemacht hatten, die es in meinen Augen überhaupt nicht nötig hatten. Dann habe ich meiner Mama davon erzählt, weil ich sah, dass man in kürzester Zeit relativ schnelle Erfolge erzielt. Also habe ich mich nach langem Hin und Her dafür entschieden, sie dabei zu unterstützen.

An sich ist das Programm nichts schlechtes, so wie auch andere Programme, die es sonst noch gibt. Schlecht wird es erst, wenn man eine Zeit lang auf Sachen verzichtet, die man ganz gerne isst und bei denen man sich auf Entzug fühlt und leidet, weil man sie aufgrund einer Ernährungsumstellung nicht essen kann.

Genau DESHALB bin ich GEGEN DIÄTEN! Diäten bedeuten IMMER VERZICHT!

Verzichten macht nicht nur wenn es ums Essen geht unglücklich. Auch wenn man auf Shopping verzichtet, weil man gerade spart oder wenn du und deine Freundin auf das gleiche hofft und sie es erhält, weil du freiwillig verzichtest.. beides macht zwar glücklich, weil man es fürs Portemonnaie und für die Freundin macht, trotzdem wollte man es ja und deshalb ist man eigentlich traurig..

Das gute beim Essen ist: Wir haben es überall und zu einem guten Preis, wieso sollte man also freiwillig eine Zeit lang darauf verzichten, wenn man dabei darunter leiden muss?

Wenn man kein Problem hat, die Ernährung radikal umzustellen, sei es auch nur für ein paar Wochen, dann nur zu!

Wenn man aber dagegen ankämpft, oder noch schlimmer: eine Lösung sucht, um aus einem gestörten Essverhalten rauszukommen, dann ist man mit einigen Ernährungsweisen nicht langfristig erfolgreich.

Deshalb war die Stoffwechselkur im Nachhinein nicht das richtige für mich. Auch Low Carb und alles andere nicht, weil ich einfach das essen möchte, worauf ich Hunger und Lust habe. Das heisst nicht, dass ich jeden Tag Schokolade, Nutella oder Weissbrot esse.. aber ich mache mich nicht mehr verrückt, wenn ich es doch mal tue und das nicht an einem CHEATDAY!

Die Stoffwechselkur und auch sonst Programme zur Gewichtsreduktion sind in meinen Augen nicht für Menschen gedacht, die eine normal schlanke Figur haben oder sogar dünn sind. Ich habe einige Freunde, die sie gemacht haben, die diesen schnellen Kick einfach gebraucht haben, um ihre Ernährung umzustellen, motiviert zu bleiben und jetzt (so weit ich weiss) ein ganz normales Leben mit ganz normaler und ausgewogener Ernährung führen. Ja, auch Schokolade, Burger oder Pizza gehören dazu.

Aber für mich wie einigen anderen Mädchen war und ist es nicht das richtige. Ich habe es bewusst konsequent durchgeführt, obwohl mich einige gewarnt hatten, noch tiefer in eine Essstörung zu rutschen.

Aber wisst ihr was? Ich habe diese und einige andere Erfahrungen ganz bewusst gemacht, weil ich mich für dieses Thema mit all seinen Facetten, Sonnen- und Schattenseiten interessiere und ich nur über etwas schreiben kann, was ich kenne.

Ich möchte meinen Horizont stetig erweitern, damit ich meine Erfahrungen weiter geben und auch glücklicherweise dem einen oder anderen zur Seite stehen kann.

Aber ich bin wirklich absolut gegen Diäten. Viele meinen, sie führen keine Diät, nur weil sie gesund oder clean essen. Doch einige, mich damals eingeschlossen, sind sich nicht bewusst, dass sie durch das ständige Verzichten auf etwas, Diät führen.

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Ihr müsst für euch den richtigen Weg finden. Ich finde jedoch, dass das heute nicht mehr sehr einfach ist, da von jeder Seite her etwas erzählt wird. Deshalb:

MACHT EINFACH DAS, WAS IHR ZU HUNDERT PROZENT FÜR RICHTIG HALTET, und wenn es nicht das richtige war, dann war es wenigstens eine Erfahrung wert. Aber vergesst dabei nicht, dass ihr euer leben lebt und nicht das Leben anderer.

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und zum Schluss ein Gedankenexperiment:

Stell dir vor, die Welt wäre blind. Er sieht dich nicht, du siehst sie nicht. Er sieht uns nicht. Würdest du dann überhaupt etwas von einem Idealbild wissen? Du hättest ja nie etwas sehen können.. du wüsstest nicht, wie verschieden Menschen und ihre Körper aussehen würden. Du würdest nicht wissen, wie es sich anfühlt, unglücklich zu sein, weil man nicht so aussieht, wie man es gerne hätte.

Weil absolut niemand dich sehen könnte.

Würdest du dann immer noch regelmässig zum Sport gehen und dich manchmal gegen deinen Willen dort abmühen? Würdest du dich dann immer noch irgend welchen Diäten und Programmen hingeben, um jeden Tag besser auszusehen? Würdest du deinen Körper immer noch kritisieren, weil er einfach nicht so aussieht, wie du es gerne hättest? Würdest du ihn bestrafen, weil die Waage etwas anzeigt, was dir nicht passen würde?

Ich denke, das würdest du nicht. Weil du deinen Körper nicht sehen könntest. Nicht deinen, und nicht den von anderen Menschen. Vielleicht würdest du deinem Körper dankbar sein, dass er dich von A nach B bringt..

.. dass er es zulässt, wunderbare Dinge wie Wärme, Kälte und Zärtlichkeiten zu spüren.

.. dass er dich den Alltag bewältigen lässt.

Du würdest ihm für seine Funktionen dankbar sein und ihn schützen, diese Funktionen weiterhin ausführen zu können. Du würdest ihn dann nicht mehr radikalen Diäten unterziehen und hungern lassen, um der Gesellschaft zu gefallen.

Denn die Gesellschaft würde dich ja nicht sehen können.

.. wenn du deiner großen Liebe begegnen würdest, wie würdest du dich zu deinem Besten geben?

Die inneren Werte zählen. Kennst du deine inneren Werte?

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*Dieser Beitrag ist von meinem alten Blog importiert. Der Blog hiess damals www.m0reniita.blogspot.ch

1 Kommentar

  1. […] das würde ich sogar sehr gerne- nur ist es nicht mein Spezialgebiet und deshalb möchte ich ein Gedankenexperiment aus einem etwas älteren Blogpost von mir hier noch einmal […]

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