The flaw makes the difference / Der Makel macht den Unterschied

Ich habe meine Cousine gefragt, ob sie für ein kleines Shooting für meinen Blog hinhalten möchte. Ana ist eine 38 jährige Spanierin aus Bern. Ihre Narben zeigen eine unglaubliche Geschichte, die mich schon immer sehr berührt hat.

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Als sie 10 Jahre alt war, hatte sie de Bauch operieren müssen. Während der Operation hat sie sich eine Streptokokken- Infektion eingefangen. Diese hat den Bauch von Innen her aufgefressen. Das Problem war, dass der Arzt während einer ganzen Woche keine Nachkontrolle gemacht hat, sodass sich die Infektion weiter verbreiten konnte. Dann hat meine Tante, also ihre Mutter entschieden, einem anderen Spital anzurufen und sie dort hinzubringen. Der Arzt kam genau dann und sagte ihr, dass es ihr gut ginge. Dabei war sie eigentlich schon klinisch tot. Sie haben sie dann später mit der Ambulanz in das andere Spital gebracht, um sie dort wieder zu beleben. Sie mussten dann den ganzen Bauch aufschneiden, um die Infektion zu entfernen. Sie war an unzähligen Apparaten angeschlossen, sogar an denen, die ihr Blut reinigen mussten. Sie hatten dann gedacht, sie sei ausser Gefahr, bis sie um 1 Uhr morgens meiner Tante anrufen mussten, um ihr mitzuteilen, dass sie sie nochmals aufschneiden mussten. Ansonsten würde sie sterben. Sie war nachher im Koma.

der Makel

An ihrem Geburtstag ist sie dann aufgewacht aber dies nur für kurze Zeit. Sie wurde dann in ein künstliches Koma versetzt, weil es aufgrund ihrer Schmerzen sehr gefährlich war. Sie hatte im Schlaf um sich geschlagen, also musste sie sogar mit den Händen ans Bett gefesselt werden. Nach einem Monat im Koma, ist sie dann wieder aufgewacht und blieb ein paar Wochen lang in der Intensivstation. Sie konnte kaum essen, also wurde sie intravenös ernährt. Nach ca. eineinhalb Monaten haben sie sie in die normale Station gebracht. Da sie so viel geschnitten haben, hatte sie ein riesiges Loch am Bauch und da sie während dieser schlimmen Zeit im Spital im Koma stark an Gewicht verlor, hatte sie zu wenig Haut, um den Bauch wieder zusammen zu nähen. Also mussten sie mit speziellen Seilen und Klemmscheren den Bauch jeden Tag zusammenziehen. Dadurch dass sie zu dünn war und zu wenig Haut hatte, mussten sie Haut von den Armen und von der Brustseite entnehmen, um den Bauch zu schliessen. Schlussendlich wog sie nur noch 27 Kilo und da weitere Komplikationen auftraten, musste sie weitere Operationen durchhalten. Sie war insgesamt 3 Monate im Spital und schliesslich kam es so weit, dass sie weinend im Rollstuhl sass. Ihr müsst wissen, dass meine Cousine mindestens so gerne tanzt wie ich, also war es für sie ein Weltuntergang, im Rollstuhl zu sein. Sie musste wieder Laufen lernen, aber auch wieder zu essen war schwierig für sie.

Makel

Auch danach war die Zeit sehr schwierig für sie, da sie das Geschehene nicht vergessen konnte. Sie war 11 Jahre alt und ging nach ihrem Spitalaufenthalt wieder in die Schule. Sie wurde durch ihre Mitschüler immer wieder daran erinnert, was passiert war. Jeder wollte alles wissen. Sie wurde zudem auch gehänselt. Auch als sie schwimmen war, schaute sie, dass alles abgedeckt war. Das hat dazu geführt, dass sie nicht mehr sich selbst war und jemanden vorgespielt hat zu sein, den sie nicht war und das nur, um von anderen gemocht zu werden. Auch im Erwachsenenalter war es so, denn sie traute sich nicht, einen Mann an sich heran zu lassen. Nur im Schwimmbad hatte sie als junge Erwachsene keine Probleme mehr, da sie wusste, dass dort jeder seine Makel zeigt. Dort kann man sie nicht verstecken und deshalb fühlte sie sich wohl. Sie zog sogar ein Bikini an. Mit 20 hatte sie ihren jetzigen Ex- Mann kennen gelernt, mit dem sie 14 Jahre lang verheiratet war. Erst nach der Trennung haben die Zweifel wieder angefangen. Sie hatte Angst, dass sie wieder niemand findet, der sie so liebt wie sie ist.

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Sie hatte sich aber dann entschieden, ihr Leben wieder in den Griff zu kriegen und hat angefangen, an Gewicht abzunehmen und Sport zu machen. Somit hat sie ihr Selbstbewusstsein Tag für Tag gestärkt. Mittlerweile hat sie gelernt, darüber zu reden und dazu zu stehen.

Nun, hier noch etwas, was Ana für euch verfasst hat:

Liebe Leser

Als mich meine Cousine gefragt hat, ob ich bereit wäre, mich für ihren Blog fotografieren zu lassen und meine Geschichte zu erzählen habe ich nicht zwei mal überlegt. Und ich hoffe, dass meine Geschichte euch hilft, euch mit anderen und wertvolleren Augen zu sehen. Gerne möchte ich euch allen etwas auf dem Weg mitgeben. Wie auch viele von euch, hatte ich ziemliche Probleme, mich mit meinen Narben so zu akzeptieren und mich anderen so zu zeigen. Der Grund ist, weil die Gesellschaft, die Zeitungen und die Medien uns weis machen wollen wie Schönheit sein muss. Das ist auch der Grund, wieso viele von uns, sei es Männer oder Frauen, solche Schwierigkeiten haben, uns so zu akzeptieren wie wir wirklich sind. Und deshalb versuchen wir so wie die Norm zu sein und versuchen alle unsere Makel irgendwie ab zu decken. Ich habe gelernt, meine Makel zu akzeptieren und ich liebe sie. Es ist meine Geschichte mein Leben und nur so kann ich mich von den anderen unterscheiden. Ich will nicht so sein wie die anderen sondern wie ich. Denn mein Makel macht den Unterschied. Im Leben kommt es nie auf das Aussehen an sondern auf den Charakter und die Inneren Werte. Vergesst nie, es ist egal was anderen denken. Wichtig ist nur, was ihr von euch haltet. Denn wen ihr lernt, euch mit eueren Makeln, eurer persönlichen Schönheit zu akzeptieren, nur so müsst ihr euch vor anderen nicht verstecken und ihr werdet sehen, dass sie es auch akzeptieren werden. Vergesst all die oberflächlichen Denker, denn die wissen nicht worauf es ankommt. Ihr seid schön so wie ihr seid und wenn ihr das auch versteht, werdet ihr den Unterschied sehen. Die Menschen, die euch umgeben, die Lebensfreude und die Lebensqualität.. alles wird sich ändern, weil ihr gelernt habt, glücklich zu sein und nur auf euch zu hören.

Ich wünsche euch viel Glück und seid wer ihr seid und das voll und ganz.

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As you know I always try to give my best to show you that none of us is perfect und yet all of us are imperfectly perfect. So today I want to introduce you a family member, my cousin. Knowing her story made me want to ask her, if she would like to to inspire other women. And I’m sure she will inspire you, because she has not only an incredible past behind her, she constantly shows strength and the willpower to achieve anything in life.

Ana is a 38 year old Spanish women from Bern. Her scars speak their own incredible story. I will never ever forget what happened to her and we all are thankful that she always had been this powerful woman. When she was a 10 years old girl, she had an operation on her belly. During this operation she caught e streptococci infection which destroyed her abdominal area from the inside. The problem was her „doctor“ who didn’t do any post- control for one week, so that this bad infection had the chance to expatiate. My auntie decided to change hospital. In that moment the doctor came in, listened and he told her, that my cousin is doing well. Well.. this wasn’t true, because she was in a very bad way. After a few hours the ambulance carried her to another hospital, where they tried to revive her again. They had to cut her whole abdominal area to take away the infection who was quite big. She was attached to endless devices. They thought she was out of the danger, but the truth was.. she was still in danger. So they called my auntie again to tell her that they will have to open her abdominal area gain. After this surgery she fell for several days in a coma.

der Makel

Exactly on her birthday she woke up from it, but only for a few hours.. Then they had to place her in an artificial coma again due to her behavior who was quite dangerous for herself. She suffered from such crazy pains, so she began to beat everything around herself.. also herself. After one month she woke up and stayed for a few weeks in the intensive care unit. They had to give her food through her veins, because she was incapable to eat.

Makel
She stayed 3 months in this hospital. She had to learn to walk again. Being in a wheel chair was horrible, because like me she’s a passionate dancer. When she came home from the hospital, the time after wasn’t easy at all for her because she thought she will never ever forget what happened. She was 11 years old. She went to school again and as you can imagine, everybody wanted to know what happened to her. But more: she had been bullied from others and when she went swimming she tried to hide her belly as much as possible. This lead to the fact, that she wasn’t able to be herself. She pretended to be somebody else just because everything she wanted was to be loved. When she got older, she kept every man on distance. At least she learned to go to the swimming bath without hiding anything because she knew that nobody can hide anything in bikinis. She knew that everybody had some imperfections. And then when she was 20 years old, she got to know her current ex- husband, with which she was 14 years married. Just after the divorce she started to doubt on herself again. She was afraid that she never ever would find someone who loves her the way she is.. with all her imperfections. But you know what? She decided to change her mindset. She started to practice fitness and losing weight. She started to increase her self- esteem. She learned to speak about her imperfections.. her flaws. She learned to accept them and be proud of it.

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And here’s something she wants to tell you:

Dear readers,

When my cousin Morena asked me, if I want to share my story with you on her blog, I hadn’t to think about it twice. And I hope that my story helps and inspires you to see yourself with other eyes. I’m here to give you something on your way: As many of you had or still have to struggle with body imperfections, I struggled with accepting with my scars and showing them to the world. The reason why we all struggle with our „imperfections“ is because society, the magazines and the media (also social media) tell us what beauty „really“ means. That’s why most of us (including men) struggle with accepting ourselves. We try to be like the norm and try to hide our imperfections. I learnt to accept my imperfections and well, today I love them. It’s my story and my life and only in this way I can distinguish myself from others. I don’t want to be like others anymore.. I want to be myself. Because my flaws are what makes me unique. Your purpouse in life is not about being beautiful, it’s about your character and the inner values. Remember that it’s not important what other think about you, it’s important what you think about yourself. Because if you learn to accept your flaws you don’t have to hide yourself from others.. they will accept you too. Forget all those superficial people, they don’t know what matters. You’re beautiful just the way you are and when you see this too, you may see the difference. The people who surround you, your life quality and your happiness .. everything is going to change, because you’ve learnt to be happy and to listen only to yourself and not to others.

I wish you good look and please stay true to yourself.

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16 Kommentare

  1. Wow, deine Geschichte hat mich wirklich sehr berührt und ich habe großen Respekt vor dir, dass du so stark bist, das alles zu überwinden. Du kannst wahnsinnig stolz darauf sein, dass du den Weg zu dir selbst gefunden hast und deine Ansicht finde ich wunderbar! Bleib weiterhin die starke Kämpferin die du zu sein scheinst und genieß dein Leben weiterhin mit all deinen Liebsten und vor allem mit dir selbst!

  2. Jade Salkeld sagt: Antworten

    So inspiring to hear your cousin is going back into life, with positivity and motivation. She is so beautiful. Tell her good luck and thank you for sharing this story.

    1. Hi Jade,

      thank you for your lovely words. She’s happy to see all this kindness here.. <3

  3. This is amazing!! You are a beautiful women inside AND out and I wish there were more people like you 2 humans on this earth spreading such positivity!!

    To Morena, thank you so much for your blog and instagram, and to your aunt, thank you so much for the story and inspiring me with this learning from such a strong women.
    God bless xx (:

    1. Hi Abbie,

      Thank your for your kind words. I’m happy to see you loved this post and my blog / Instagram :-*

  4. Tolle Geschichte. Naja. Die Geschichte nicht, aber ihr Ausgang. Ich finde Narben sogar schön muss ich gestehen. Ich mag meine Narben: sie erzählen meine Geschichte, zeugen von Erlebnissen und Erfahrungen und sind nichts wofür man sich schämen sollte? Wieso sollte man sich für etwas schämen was man erlebt hat!? Ana ist stark und davon zeugt ihr Körper. Ich finde sie ist wunderschön und sie strahlt eine tolle Aura aus und das ist es doch war wirklich attraktiv ist! 🙂

    1. Danke liebe Lou für deine Worte. Du hast absolut recht und genau das versuche ich auch immer wieder zu sagen: egal wie man aussieht, solange man sich wohl fühlt und das auch ausstrahlt, ist doch alles wunderbar 🙂

      Schön, dass du deine Narben magst. Gibt leider nicht viel, die das von sich behaupten können. Ich sehe es wie du, sie erzählen eine Geschichte und zeugen von Stärke. Immer!

      Liebe Grüsse

  5. livia sagt: Antworten

    So eine eine wunderschöne Frau! & Respekt für deinen Mut & dein Selbstvertrauen. Ein Vorbild für so viele Frauen!

    1. Liebe Livia,

      vielen Dank für deinen Kommentar, hat uns beide sehr gefreut 🙂 Sie ist wirklich ein Vorbild und genau deshalb habe ich sie darum gebeten, hierbei mitzumachen. :-*

  6. Was für eine berührende Geschichte und wie schön und stark, dass deine Cousine sie hier mit allen teilt. Ich bin mir sicher, dass sie so ganz vielen Mut machen wird!

    Ana sieht einfach toll aus und ich finde die Narben überhaupt nicht schlimm, im Gegenteil. Sie gehören zu ihr und machen sie zu dem was sie ist. Auch wenn es natürlich unglaublich traurig ist, was Ana alles erleben musste….

    Alles Gute für Ana und natürlich auch für dich! Und danke für deinen wahnsinnig lieben Kommentar bei uns auf dem Blog <3

    Liebe Grüsse,
    Valeria

    1. Liebe Valeria

      Ja, da bin ich mir auch sicher! Das ist auch der Grund, wieso ich die Idee hatte, ihre Geschichte auf meinem Blog zu teilen 🙂 Und du hast Recht, Narben gehören zu ihr und ihrer Geschichte und es ist nichts, wofür man sich schämen müsste.

      Ganz liebe Grüsse

  7. jenny sagt: Antworten

    Eine wunderschöne Frau!

    1. Ja, oder? 🙂 hihih

  8. Wow sehr emotionale Geschichte. Mir fehlen eigentlich echt die Worte aber ich versuche trotzdem einen Kommentar zu hinterlassen.
    Es hat mich echt berührt sie zu lesen.
    Deine Cousine ist echt eine starke Frau sie beweist schon allein dadurch, dass sie ihre Narben präsentiert so viel stärke. Diese Geschichte zeigt einem immer wieder, dass man sich so oft über Dinge beschwert obwohl es anderen viel schlechter geht / ging. Ich bin froh diesen Eintrag gelesen haben zu können. Ich finde es stark, dass sie ihre Narben akzeptiert und diese so frei präsentiert.
    Ich wünsche ihr und dir eine frohe Zeit zusammen. Bin gespannt mehr von dir zu lesen.
    Liebste Grüße, Anna | http://www.annabredow.jimdo.com/

    1. Liebe Anna

      Jö, wie lieb von dir! Danke für deinen unglaublich lieben Kommentar, ich habe mich sehr gefreut und Ana bestimmt auch 🙂

      Auch du hast Recht, sie ist so eine starke Frau. Deshalb wollte ich unbedingt etwas mit ihr machen. Ich hoffe, dass das Frauen ein bisschen Mut macht, weil Narben überhaupt nicht schlimm sind.. jeder sollte zu sich und seiner Geschichte stehen können 🙂 <3

  9. Hi, danke dir für die berührende Geschichte! Klar ist wohl, dass wir alle lieber ohne Narben etc auskommen würden. Auch optisch. Klar ist aber auch, dass manchmal Dinge passieren, die sie verursachen und dann hängt der eigene Wert natürlich nicht an diesem Narben! Auch nicht die Schönheit oder Ausstrahlung! Besonders schade finde ich, dass gerade Kinder so unsensibel sind und andere wegen äußerer Merkmale hänseln, für die sie nichts können! Was sagt das auch über die Eltern aus? Immer wieder höre/lese ich Geschichten von Frauen, die sich endlich akzeptieren können. Immer sind sie schon erwachsen! Die wenigsten scheinen diesen Schritt schon früher zu schaffen! Außer vielleicht denjenigen, die keine „objektiven Makel“ haben… Was für eine verdrehte Welt!
    Vg Katrin

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