Alleinreisen und meine Antwort auf deine Ängste

Vor genau einem Jahr sass ich auf dem genau gleichen Felsen. Den Blick in Richtung Meer gerichtet, genoss ich den kühlen Wind, das Rauschen des Meeres und die Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Málaga, du wunderschöne Stadt. Nur war es vor einem Jahr eher winterlich kalt im Gegensatz zu diesem Februar, wo es frühlingshafte 21 Grad sind. Und dieses Mal fühlte ich mich pudelwohl. Glücklich. Entspannt. Ausgelassen. Angekommen. Letztes Jahr eher weniger.

Wer hätte das gedacht? Während 25 Jahren konnte ich es mir niemals vorstellen, mehr als einen halben Tag alleine zu verbringen und heute, ein Jahr später freue ich mich immer und immer wieder, die Zeit mit mir alleine verbringen zu können. Ich gehe alleine tanzen, alleine essen, alleine spazieren und alleine in den Urlaub. Alleine die Welt entdecken kann so schön sein. Wieso auch nicht? Der Startschuss fiel vor einem Jahr, als ich meine allererste Reise nach Málaga startete. Damals fiel es mir unheimlich schwer, mich mit mir selbst zu beschäftigen. Ich fühlte mich komisch, total einsam und wusste grösstenteils nicht, was mit meiner Zeit anzufangen. Viele Tränen sind geflossen. Ich fühlte, als könnte ich Dinge nur in Zweisamkeit oder in Gesellschaft allgemein geniessen. Ich brauchte enorm Überwindung, mich alleine in ein Restaurant zu setzen. Ich fühlte mich, als würden mich alle beobachten, teilweise mitleidig, teilweise verständnislos, auf jeden Fall so als wäre es nicht normal, alleine etwas zu unternehmen. So ganz wohl fühlte ich mich nicht. Ich weiss noch, wie ein Kellner an meinem allerersten Abend alleine im Restaurant ungläubig fragte, wieso eine so hübsche, junge Frau (was ein charmanter Kellner) alleine ausgehen würde. Ich erzählte ihm, dass ich alleine auf Reisen wäre und er schaute noch erstaunter als zuvor. «Wirklich? Fühlst du dich nicht einsam? Ist es dir nicht langweilig?»

Wieso trauen sich viele nicht, alleine etwas zu unternehmen?

Aus Angst vor dem, was andere über einen denken könnten. Aus Angst vor Blicken und negativen Meinungen.

Ganz ehrlich? Ist doch egal was andere denken solange du happy bist.

Als ich im Oktober darauf alleine in Neapel unterwegs war, traf ich mich an einem Abend mit einem Freund, der dort lebt. Wir sprachen übers Alleinreisen, denn auch er konnte es nicht wirklich verstehen, wieso ich alleine nach Neapel reiste. «Finde es irgendwie voll traurig, wenn man das macht. Irgendwie als hätte man keine Freunde. Ich könnte das nicht. Und sowieso, du hast doch genug Follower? Hättest ja jemand aus deiner Community mitnehmen können?!» Hätte ich, wollte ich aber nicht. Genau das meine ich. Alleinreisen oder Dinge allein unternehmen ist halt einfach noch nicht so richtig etabliert und so empfinden es viele als nicht wirklich normal. Wieso ist jemand alleine unterwegs? Weil man niemanden hat, mit dem man sonst unterwegs sein könnte? Quatsch! Anfangs fühlte ich mich, als müsste ich meinem Freund beweisen, dass ich grundsätzlich keine Einzelgängerin bin und doch so einige Freunde besitze.  Aber ich wollte nichts beweisen. Ich wollte mich nicht «rechtfertigen». Wieso auch? Stattdessen erzählte ich ihm von den vielen schönen Gefühlen, den tollen Erlebnissen und den guten Gründen, wieso man sich ruhig trauen sollte, allein auf ein Abenteuer zu gehen. 

Aus Angst, dass man sich einsam fühlt. 

Zugegeben, das allererste Mal in Málaga fühlte ich mich wahnsinnig einsam. Zwar wurde dieses Gefühl von Tag zu Tag schwächer aber so richtig wohl habe ich mich auch am allerletzten Tag noch nicht gefühlt. Ich war nicht fähig, alles Erlebte allein geniessen zu können. Bevor ich alleine in Neapel unterwegs war, war da noch eine zweitägige Reise nach Paris, ebenfalls alleine. Da genoss ich es jedoch richtig aber das allererste Mal bei mir angekommen fühlte ich mich dann in Neapel. Ich stand morgens dann auf, wenn mir danach war, verbrachte den Tag so wie ich gerade spontan Lust draufhatte und war unglaublich glücklich, alles für mich zu tun. So wie es mir eben gefiel. Abends kamen da ab und an Gefühle der Einsamkeit auf aber im Grunde ist es so: Man hat eigentlich alles, um sich eine schöne Zeit zu machen, denn man hat sich selbst. Das ist genug. Du bist genug. Ein gutes Buch, etwas Musik oder sonst etwas, was einen dabei begleiten und Freude bereiten könnte und schon hat man die besten Voraussetzungen. Man braucht im Grunde niemanden, um etwas zu unternehmen. Das muss man aber erst begreifen (lernen) und sich daran gewöhnen, dann schwinden auch die Gefühle der Einsamkeit und die Angst, versprochen. Und wenn man die Bedürfnisse hat, das Erlebte auf irgendeine Art und Weise teilen zu wollen, bestehen folgende Möglichkeiten:

  • Abends mit jemandem telefonieren oder schreiben und vom Tag erzählen. Ich telefoniere viel mit meiner Mama aber das mache ich auch sonst jeden Tag, ohne auf Reisen zu sein. Dieses Mal in Malaga jedoch eher weniger, hatte kaum Zeit für ausgiebige Gespräche, da ich die Zeit so sehr genoss und versuchte, so richtig bei mir zu sein. 
  • In den Stories wie zum Beispiel auf Instagram oder WhatsApp Fotos und Videos hochladen und andere daran teilhaben lassen. 
  • Abends in einer Bar jemanden anquatschen, der bestenfalls ebenfalls alleine unterwegs ist. Das ist mir am letzten Abend passiert und es war einfach wunderbar, sich mit jemanden auszutauschen, der gerade Ähnliches erlebt. Dazu muss man aber entweder etwas offen sein oder sich einfach dazu überwinden. Man hat nicht nichts zu verlieren. 

Und sonst gibt es noch Dating- Apps wie Tinder. Ja, ja, ich weiss. Tinder ist bekannt für schnelle Bettgeschichten. Aber es muss nicht nur das sein. Man kann es mal probieren und sich mit dieser Person erstmals ein bisschen austauschen und sehen, ob es etwas ist oder nicht. Aber auch hier: Vorsicht.

Aus Angst, dass einem etwas passieren könnte. Besonders, wenn man als Frau alleine unterwegs ist. 

Es wäre verantwortungslos zu sagen, dass man keine Angst haben muss und überall hin- und alles tun kann, wenn man als Frau alleine unterwegs ist. Das ist leider eine Wunschvorstellung, denn die Welt kann da draussen eben doch ziemlich gefährlich sein und deshalb finde ich Vorsicht aller aller aller oberste Priorität, wenn man alleine unterwegs ist, egal ob Mann oder Frau. Besonders aber als Frau. Übrigens auch in der Schweiz. Wir leben leider in einer Welt, in der vor allem Frau sich (noch) nicht komplett sorgenfrei und sicher bewegen kann wie sie möchte, ganz besonders in einigen Ländern. Ich bin sowieso ein mega Angsthase (ja, das bin ich wirklich auch wenn es manchmal nicht scheint) und bin, nach Anbruch der Dunkelheit eher mit Vorsicht unterwegs und wenn ich mich nicht sicher genug fühle, bleibe ich lieber einmal mehr in meiner Unterkunft. Ich bin aber in allen drei Städten abends unterwegs gewesen, da ich meine Unterkünfte immer in belebten Regionen buche und nur dort entlang gehe, wo wirklich viele Menschen unterwegs sind. Verrückt, dass man diese Vorsichtsmassnahme treffen muss, denn wir Frauen sollten genau gleich das recht haben, uns frei und sorgenlos bewegen zu können aber es ist nun mal so. Sicher ist sicher. Informiert euch über die aktuelle Lage im jeweiligen Land und denkt daran, es kann überall gefährlich sein. Auch im eigenen Heimatland.

Grundsätzlich kann ich empfehlen, immer auf das eigene Wohlbefinden und vor allem auf sein Bauchgefühl zu hören. Wenn einem etwas nicht geheuer ist, dann lässt man es lieber sein. Neapel zum Beispiel ist dafür bekannt, nicht die sicherste Stadt zu sein und trotzdem bin ich abends unterwegs gewesen. Ich wusste aber haargenau, wo ich ohne Bedenken hinkonnte und welche Strassen und Gassen ich lieber vermeiden sollte. Das wusste ich beim ersten Mal alleine in Neapel aber nicht. Also habe ich mich komplett auf mein Bauchgefühl verlassen. Hört immer auf euer Bauchgefühl. IMMER!

Achtung: Frauen, die alleine reisen, können für Männer verlockend sein. 

Ich hatte in Neapel zwei, drei Situationen, wo ich zu einer Notlüge greifen musste weil ich mich nicht so wohl gefühlt hatte. Ich bin ziemlich offen und habe kein Problem damit, mit wildfremden Menschen zu reden. Eher im Gegenteil: Ich liebe es, mich mit unterschiedlichsten Menschen über Gott und die Welt auszutauschen. Das kann aber auch nach hinten losgehen. Als ich in Neapel einmal alleine auf den Felsen am Meer sass, wurde ich von einem Sonnenbrillen- Verkäufer angesprochen. Nach ein bisschen Smalltalk wollte er, dass ich mit ihm in einer Bar weiterquatsche. Er war ziemlich aufdringlich und schien ein Nein nicht zu akzeptieren. Also sagte ich, dass sich mein Freund, der gerade geschäftlich in Neapel unterwegs ist, nicht darüber freuen würde. Erst dann wurde ich in Ruhe gelassen (eine weitere verrückte Tatsache: Viele Männer „respektieren“ dich und deine Meinung erst, wenn sie wissen, dass du einen Freund hast. Ein Nein von dir alleine ist für viele noch nicht Grund genug, dich in Ruhe zu lassen). Wenn ihr also merkt, dass der eine oder andere nicht locker lässt oder ihr von Anfang an kein gutes Gefühl habt, kann euch diese kleine Notlüge nützlich sein. 

Ebenfalls in Neapel auf den Felsen hat ich ein Mann angesprochen, der anfangs ziemlich anständig rüberkam aber dann immer merkwürdiger wurde. Mir war überhaupt nicht wohl und ich musste mich überwinden, ihm zu sagen, dass seine Anwesenheit mir Unwohlsein bereitet und er sich bitte entfernen soll. Er war schon vorher leicht provokativ drauf und wurde dann nur noch gereizter, hat es dann aber gemacht. Ich wusste aber, dass ich nicht komplett alleine war, da auf dem ganzen Felsen links und rechts von mir, wenn auch etwas weiter weg, Menschen waren. Dafür hatte ich aber viel mehr positive Begegnungen, die mir heute noch ein Lächeln ins Gesicht zaubern und die ich so niemals erlebt hätte, wäre ich nicht alleine dorthin gereist.

Aus Angst, dass einem langweilig werden könnte 

Langweilig wurde es mir bisher noch nie aber ich kann auch stundenlang mit einem Buch und Musik am Strand liegen, ohne etwas zu lesen oder Musik zu hören weil mich alleine das Meeresrauschen so entspannt und gleichzeitig glücklich macht, dass ich nichts anderes brauche. Ausserdem denke ich über alles und jeden nach also bin ich auch dazu fähig, mich mit meinen Gedanken stundenlang zu beschäftigen. Aber das ist ganz individuell. Bevor ihr bucht, empfehle ich, Reiseberichte zu lesen und sich darüber zu informieren, was man in dieser Stadt / diesem Land alles unternehmen kann. Für mich ist es ziemlich einfach: Wenn diese Stadt am Meer gelegen ist, weiss ich, dass mir niemals langweilig werden könnte. Aber eben, da hat jeder andere Vorlieben. Finde heraus, worauf du Lust hast, was dich anzieht und wo du dich gut fühlen würdest. Ich kann mir langweiliges Reisen ehrlich gesagt nicht vorstellen. Gerade an einem unbekannten Ort gibt es viel zu entdecken. Einfach Augen offen halten und informieren.

Kleiner Tipp: Für die erste/n Reise/n empfehle ich, in eine Stadt zu reisen, wo man sich mehr oder weniger gut mit den Einheimischen verständigen kann. Auch ein Kulturkreis, der dem eigenen ähnlich ist, ist für die erste/n Reise/n bestimmt von Vorteil, um sich wohlfühlen zu können.

Im nächsten Blogpost werde ich euch etwas über Málaga erzählen. Denn diese Stadt ist für mich, genau wie Neapel, zu einer Art Zuhause geworden. Ich kann euch einen Trip dorthin nur empfehlen. Dazu aber im nächsten Blogpost mehr. Zuerst möchte ich von euch wissen: Gibt es noch Fragen zum Alleinreisen? Etwas, was euch beschäftigt und noch auf der Zunge brennt?

1 Kommentar

  1. Mirj sagt: Antworten

    Voll lustig – bin gerade das erste Mal alleine auf Reisen, als ich deinen Post zufällig entdeckt habe 🙂
    Kann dem nur zustimmen – ich musste mich auch im Vornhinein rechtfertigen, weshalb ich alleine gehe und fühle mich nun fast „bemitleidet“ von anderen Gästen, die in Gruppen unterwegs sind. (Dabei sollte ich als Lehrerin ja sozial sein 😉
    Aber dennoch – alleine reisen ist SCHÖN. Im eigenen Tempo unterwegs zu sein, spontan etwas zu unternehmen und das ohne Absprachen und Diskussionen – ist einfach super! Abends Ruhe im Zimmer – richtig entspannend.

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