Zwischen Liebeskummer, gebrochenen Herzen und Daddy- Komplexen – Teil I

Wie fühlst du dich, wenn jemand, den du magst oder liebst, dich verlassen hat? Wenn dein Herz gebrochen wurde? Wie lange brauchst du, um ebendieses Herz wieder zusammenzuflicken? Wie lange kannst du ohne die Liebe eines Partners bestehen?

Während meinen letzten acht Jahren Beziehung hatte ich mich immer wieder glücklich geschätzt, nicht das gleiche durchmachen zu müssen wie meine Freundinnen, die sich hin und wieder bei mir ausweinten, weil ihre Herzen gebrochen wurden oder sie wieder beziehungsunfähige Idioten dateten. So fühlte ich einerseits richtig mit ihnen mit aber andererseits war ich unglaublich dankbar, so dachte ich, nie wieder so fühlen zu müssen. Denn Liebeskummer ist scheisse und es gibt nichts Vergleichbares, was sich ähnlich schmerzhaft anfühlt, geschweige denn durch eine Pille gelindert werden kann.

Liebeskummer ist scheisse und tut unglaublich weh.

Ich begann schon sehr früh, Gefühle wie Liebe und Verliebtheit zu empfinden, so hatte ich bereits im Kindergarten einen schnuckeligen Freund. Er wohnte in meiner Nachbarschaft und ich freute mich jeden Tag aufs Neue, mit ihm draussen spielen zu können. Er hatte eine etwas freche, sehr verspielte Art. Ich mochte ihn sehr und war deshalb, als er sich irgendwann im zweiten Kindergartenjahr für ein anderes, süsses Mädchen entschieden hatte, am Boden zerstört und heulte meine Augen auf Mamas Schoss aus: «Mama, was ist an mir nicht gut genug? Wieso konnte er nicht bei mir bleiben? » Obwohl es gut 20 Jahre her ist, kann ich mich noch an meine Gefühlswelt von damals erinnern. Nun ja, mein Herz, das sich im Alter von etwa 6 Jahren zum ersten Mal gebrochen anfühlte, verheilte irgendwann natürlich. Im Laufe der Jahre verliebte ich mich hin und wieder und jedes Mal, wenn jemand mit mir Schluss machte und alle meinten, dass man so jung sowieso nicht verliebt- und deshalb der Herzschmerz kein echter Schmerz sein kann, war ich doppelt traurig. Nicht nur, weil mich ein Junge schon wiederverlassen hatte, sondern weil man mir meine Gefühle absprach.

 Als ob man als Heranwachsender kein normalfühlender Mensch ist?! Was wussten die schon? Natürlich können Kinder richtig fühlen..

 Das wusste ich damals schon und davon bin ich übrigens immer noch überzeugt, weshalb ich es so wichtig finde, dass man solche Gefühle von Kindern wahrnimmt und nicht belächelt.

Wie dem auch sei, in der 6. Klasse verliebte ich mich Hals über Kopf in einen Jungen, der neu in unser Dorf gezogen war und der die schönsten Augen an unserer Schule hatte. Er hatte von Anfang an frischen Wind in unsere Klasse gebracht und gleich am ersten Tag war es um uns beide geschehen. Ich war hin und weg und zwar so krass wie noch nie zuvor. Ich zeigte es nur nicht, weil ich super schüchtern war. Er aber ganz und gar nicht, denn schon ziemlich bald schickte er mir während dem Unterricht Liebesbriefe und zeigte mir, wie sehr er mich mochte. Das musste übrigens jeder meiner Crushesmachen, denn sonst wäre nie jemals etwas aus uns geworden. Also das mit dem Erobern, nicht zwingend die Liebesbriefe. Jedenfalls entpuppte er sich aber irgendwann in einen komischen pubertierenden, rebellischen Jungen, der von da an mehr auf seine Jungs hörte als auf seinen Verstand oder sein Herz und richtig fies war. Trotzdem kam ich nicht von ihm los, weshalb ich ihn immer wieder zurücknahm, egal wie oft er mich verliess und wie beleidigend und erniedrigend (oh ja, das war er bereits im zarten Alter von 11 Jahren) er über die Jahre wurde. Heute würde man das toxische Beziehung nennen, aber was weiss ich schon, wir waren quasi noch Babies.  Jedenfalls ging das so weiter. Ich verliebte mich und wurde verlassen, immer und immer wieder und jedes Mal tat es aufs Neue weh. Es kam auch einmal vor, dass ich einen Jungen verliess, das war aber bitter nötig, sonst wäre ich heute wohl seit acht Jahren verheiratet, Mama von drei Kindern und hätte vieles nicht erlebt, nur, um am Kochherd zu sein aber das ist eine Geschichte für sich.

Irgendwann – Halleluja – lernte ich jemanden kennen, der es acht Jahre mit mir «ausgehalten» hatte. Ausgehalten, so dachte ich damals, weil ich der Überzeugung war, dass irgendwas nicht mit mir stimmen konnte, so musste es doch einen Grund geben, wieso ich immer verlassen wurde und nicht die war, die andere verliess. Jedenfalls war es eine wunderbare Beziehung. Doch trotzdem war da bis zum Ende der Beziehung eine Art Skepsis irgendwo in meinem Hinterkopf, die übrigens in vielen Frauen schlummert (wieso, weshalb warum erkläre ich euch zu einem späteren Zeitpunkt):

Wieso hat er sich ausgerechnet für mich entschieden? Er könnte jede andere haben, eine viel Hübschere, Schlankere, Intelligentere, whatever- Haptsache nicht ich. Wieso bleibt er nach 4… 5.. 6 Jahren immer noch bei mir? Etwas kann nicht stimmen.

Er konnte mir noch so oft versichern, dass er mich über alles liebte und keine andere war, für die er mich jemals verlassen würde, irgendwo in meinem Hinterkopf war diese eine Stimme, die nach all den Jahren mich ermahnte, dem Ganzen nicht 100% zu vertrauen. So richtig bewusst wurde mir das alles erst im Laufe des letzten Jahres als mir, nach der (gemeinsam entschiedenen, gut verlaufenen) Trennung, ich mir erneut das Herz brechen liess und danach so verloren wie niemals zuvor war. Ich, die die Liebe so sehr liebte. Ja ja, jetzt denkt ihr bestimmt, ich bin ein Mensch, der einfach nicht alleine sein kann und deshalb immer wieder in eine Beziehung gehüpft ist und sowieso, irgendetwas an mir musste komisch sein, sonst wäre das alles nicht passiert, oder? 

Vater- Komplex? Kenne ich aus Comedy Serien, bei denen Männer immer wieder erfolgreich an Frauen kommen, die irgendwelche Vater- Schwierigkeiten aus der Vergangenheit mitnehmen und für sich ausnutzen

Tja, das ist tatsächlich etwas Wahres dran. Aber bis jetzt haben wir ja nur über Liebeskummer gequatscht, kommen wir nun zur Erleuchtung, die ich vor wenigen Monaten hatte oder besser gesagt zum Daddy Komplex: Meine Gefühle waren immer echt. Für manche Jungs waren sie stärker, für andere schwächer und für alle Erfahrungen, die ich gemacht habe, bin ich dankbar. Aber irgendwann musste doch endlich der Punkt kommen, an dem ich begriff, dass dieses Muster, das sich über so viele Jahre wiederholte und sich nicht wirklich bewährte, mir irgendetwas zu sagen versuchte: Die Liebe, mit der ich die Jungs mein Leben lang überschüttet (wortwörtlich) habe, hätte ich mir selbst geben sollen, das ist klar. Aber da ist noch viel mehr dahinter. Ihr wisst, ich bin schonungslos ehrlich. Als ich 6 Jahre alt war, liessen sich meine Eltern scheiden und in der Folge zog mein Papa aus. Ich liebe meinen Papa und das mit der Scheidung habe ich überwunden, so glaube ich das jedenfalls. Doch er ging weg, er war nicht mehr so präsent in meinem Leben wie vorher, somit mangelte es logischerweise auch an Aufmerksamkeit, Liebe und Zuneigung von seiner Seite. Als ich in die Pubertät kam, wanderte er sogar nach Spanien aus, was zur Folge hatte, dass ich ihn noch weniger sah als vorher, ergo: Noch weniger Liebe, noch weniger Aufmerksamkeit. 

Zum ersten Mal vom Vater- Komplex habe ich gehört, als ich die Serie Two and a Half Men schaute und Charlie Sheen, der Ober- Gigolo, sich darüber lustig machte, wie er immer wieder bei Frauen erfolgreich war, die allesamt Daddy Issues haben mussten. Ich fand das damals selber witzig ohne zu wissen, dass dieses psychologische Phänomen sich – oh Wunder – auch bei mir wiederfinden lässt. Ein Phänomen, dessen Muster dazu führten, dass ich mein Selbstwert vom männlichen Geschöpf abhängig machte und nach 25 Jahren komplett neu aufbauen musste. Heute bin ich sauer auf Charlie, oder besser gesagt auf die Produzenten der Serie, die es zugelassen haben, ein solch schwieriges Thema auf Kosten vieler Frauen ins Lächerliche zu ziehen und diese Problematik an Millionen von Zuschauern wiederzugeben, als ob es normal oder okay wäre, dieses Phänomen zu eigenen Gunsten auszunutzen.

Tatsächlich kann man sagen, so sind sich viele Wissenschaftler einig, dass die frühere Beziehung zum Papa einen grossen Einfluss auf die Beziehung zu späteren (Liebes)-Partnern haben kann..

.. und ich bin froh, dass ich das erkannt habe, denn ich habe für mich entschieden, keinem Mann mehr nachzulaufen, mehr Liebe zu geben als er verdient, nur, damit er an meiner Seite bleibt. Viel zu oft war ich nicht mehr wirklich mich selbst, habe mich verbogen und alles dafür getan, ja nicht wieder verlassen zu werden. Kein Wunder, sank mein Selbstwert jedes Mal aufs Neue, wenn ich wieder alleine dastand.

Liebe kann wunderschön sein aber sich selbst zu lieben und das ohne Abhängigkeit von jeglichen männlichen Einflüssen ist enorm wichtig und auch richtig, auch wenn uns Mädels immer nur beigebracht wurde, dass wir eine bessere Hälfte bräuchten, um angekommen.. um vollkommen zu sein. Das ist etwas, was ich zunächst auf schmerzvolle Art und Weise lernen musste und nun sehr dankbar dafür bin. Ich habe es noch nicht geschafft, mich komplett aufzupäppeln, denn es braucht Zeit, gewisse Dinge akzeptieren zu lernen aber ich bin auf einem verdammt guten Weg. Für mich hat sich die Definition von Selbstliebe und Selbstwert nochmals stark geändert, nachdem ich den gesamten letzten Juli um jemanden geweint habe, der nicht eine Träne wert war und danach Monate damit verbracht habe, mich, die Liebe und Beziehungen zu hinterfragen. Dazu und zum Vater- Komplex aber mehr in meinem nächsten Blogpost. 

(beziehungsweise überlege ich mir schon lange, einen Podcast zu starten, um über Themen zu quatschen, über die man vielleicht noch nicht so gerne und noch nicht so viel quatscht. Denn jedes Mal, wenn ich einen Blogpost starte, muss ich dafür sorgen, dass es nicht ein Buch wird und ich quatsche nun mal sehr viel und sehr gerne.  Was meint ihr?)

30 Kommentare

  1. Svenja sagt: Antworten

    Du sprichst mir aus der Seele. Danke dafür und ein Podcast wäre der Hammer!

    1. Lotti sagt: Antworten

      Ja, bitte bitte starte eine Podcast! Das wäre so wundervoll!

      1. Morena sagt: Antworten

        Liebe Lotti

        Habe nun alles bestellt, bald geht’s los ♥️

    2. Sabine sagt: Antworten

      Ich habe genau das Selbe erlebt….einfach immer schön zu wissen dass es Vielen so ergeht!Egal was Andere wieder predigen…ich bin der Meinung dass wir unseren Stolz haben sollten und stetig an unserem Selbstwert sowie an der Liebe zu uns selbst arbeiten sollten!

      1. Morena sagt: Antworten

        immer ♥️ ich glaube, dass das eine Arbeit ist, die niemals komplett niedergelegt werden kann.

    3. Morena sagt: Antworten

      Liebe Svenja

      Habe nun alles bestellt, bald geht’s los ♥️

  2. Hi!
    Richtig, richtig guter Blogpost! Ich finde es total schön, dass du über so ein wichtiges Thema offen und ehrlich sprichst!

    Liebe Grüße

    1. Helena sagt: Antworten

      Super Blogpost. sehr schön zu lesen 😀
      und ein podcast fänd ich gut.

      1. Morena sagt: Antworten

        Liebe Helena

        Danke viel mal. Habe nun alles bestellt und bald geht’s looooos ♥️

    2. Morena sagt: Antworten

      Liebe Alina

      Vielen lieben Dank! ♥️

  3. Aline st sagt: Antworten

    Danke für deine Worte. Wirklich genau so ergeht es mir auch, bin es mir aber nicht wirklich bewusst gewesen… Hast mir grad grossen Denkstoff geliefert 🙂

    1. Morena sagt: Antworten

      Liebe Aline

      Ich war es mir sehr lange ja auch nicht bewusst.. besser später als nie! 🙂

  4. Yasmin sagt: Antworten

    Liebe Morena, ein ganz toller und ehrlicher Blogpost. So in der Art habe ich auch früher gedacht, dass hat sich in meiner ersten Beziehung bemerkbar gemacht. Jetzt bin ich 5 Jahre glücklich verheiratet und zweifele nicht mehr an mich und meinen Wert.
    Und ja unbedingt ein Podcast!!
    Ganz viel liebe an dich! Yasmin

    1. Morena sagt: Antworten

      Liebe Yasmin

      Schön zu lesen, dass es auch anders geht.. ♥️

  5. Leonie sagt: Antworten

    Liebi Morena
    Danke dier vu Härze für de tiefgründigi Post. Ich würd din Podcast sofort lose, go for it!

    1. Morena sagt: Antworten

      Liebi Leonie

      Danke dir für dini Rückmäldig. Ich han jetzt alles bstellt, bald goht’s los ♥️

  6. Johanna sagt: Antworten

    Danke, dass du so ehrlich mit uns bist und ich glaube ein Podcast ist eine super Idee und da sind bestimmt viele Menschen draußen die sich darüber freuen würden!

    Ganz viel Liebe an dich

    1. Morena sagt: Antworten

      Liebe Johanna

      Danke dir viel mals! Ich habe schon alles bestellt, bald geht’s los ♥️

  7. Elizabeth sagt: Antworten

    Danke dafür!

    1. Morena sagt: Antworten

      Immer wieder gerne ♥️

  8. Maria sagt: Antworten

    Total schön geschrieben, Danke!!!

    1. Morena sagt: Antworten

      danke dir ♥️

  9. Nadine sagt: Antworten

    Hey !
    Ich mag deine Stories auf Instagram ja wirklich total gerne. Bin definitiv ein kleiner Fan von dir und deinen Einstellungen zu verschiedenen Themen
    Eigentlich bin ich nicht so die typische Blogpostleserin, aber den Post musste ich wirklich lesen und er war wirklich super!
    Danke dass du auch Themen anschneidest, die eigentlich super persönlich und heikel sind!

    Liebe Grüße

    1. Morena sagt: Antworten

      Liebe Nadine

      Vielen lieben Dank für deine Worte! Schön, dass du dir Zeit genommen hast, diesen langen Beitrag zu lesen. ♥️

  10. Anni sagt: Antworten

    Ich bin dankbar, dich auf Instagram gefunden zu haben. Du bist so ein wundervoller und wunderschöner Mensch.

    1. Morena sagt: Antworten

      danke danke danke ♥️

  11. Anna sagt: Antworten

    Ich hab mich wiedergefunden im Text. Zwar sind meine Eltern nicht geschieden, aber mein Vater war trotz seiner Präsenz immer ein wenig absent -bis heute. Ich finde es aber auch lächerlich, wie ich mich nach dem ersten Liebeskummer benommen habe. Tinder runtergeladen, um mir von irgendwelchen komischen Typen zu Dates einladen lassen, um mich wieder attraktiver zu fühlen. Und jetzt nachdem meine vier jährige Beziehung zu Ende ist erwische ich mich dabei wie ich heimlich nach Aufmerksamkeit von Männern suche. Ich weiß einfach momentan nicht, wie ich mich selbst lieben kann, ohne mich gleichzeitig zu hassen. Ausserdem finde ich es fast gruselig, dass du von der Skepsis während der Beziehung sprichst. Genauso ging es mir auch. Gleichzeitig war ich so dankbar und wachte ich nachts kurz auf und hörte ihn neben mir in der Dunkelheit atmen, konnte ich mein Glück kaum fassen, dass mich jemand liebt.

    1. Morena sagt: Antworten

      Liebe Anna

      Danke, dass du deine Story hier geteilt hast ♥️ Es ist doch nicht lächerlich, sondern völlig normal weil wir nunmal in einer Gesellschaft leben, die uns quasi „empfiehlt“, einen Mann an der Seite zu haben. Früher hat man eine Zweckehe geführt, irgendwann kam die Liebesheirat, wobei sogar da eigentlich nur die Frau darauf angewiesen war, jemanden zu heiraten, denn eine Frau war damals nicht viel wert ohne einen Mann. Sie wurde vom Erbrecht ausgeschlossen, noch war die Arbeitswelt für sie zugänglich. Klar ist heute vieles anders, aber wir leben immer noch in einer „man’s world“, die Spuren von damals sind immer noch da und deshalb messen wir unsere Attraktivität immer noch daran, wie wir beim Mann ankommen. Man kann sich aber nach und nach davon lösen. Ich werde die nächsten Monaten im Podcast näher drauf eingehen. Wir schaffen das schon ♥️

  12. Vanda sagt: Antworten

    Werde alle posts nachholen wo ich verpasst habe, sobald ich die lesebrille wieder in der hand habe. Kiss mamma

    1. Morena sagt: Antworten

      Härzigscht Kommentar ever! Love you mamma ♥️

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