Ni una menos: Angezeigt, aber..

Ohne, dass ich in den Spiegel schauen muss, weiss ich, dass sie wieder da sind. Diese roten, juckenden Flecken überall im Gesicht und auf der Kopfhaut. Die Flecken, die dich seit deiner Kindheit begleiten und zum Vorschein kommen, wenn deine Seele dir etwas mitteilen möchte, was du so sehr zu unterdrücken versuchst. Gleichzeitig spüre ich wieder dieses beengende Gefühl in der Brust, welches von Tag zu Tag stärker wird. Die altbekannten Ängste, die letztes Jahr zum ersten Mal zu Besuch kamen und mich mit voller Wucht trafen, sind wieder da. Sie kommen und gehen wie Wellen an einem wunderschönen Strand. Ich habe gelernt, mit ihnen zu leben. Dieses Mal weiss ich genau, wieso sie da sind und es den Anschein macht, dass sie sich so schnell nicht verabschieden werden.

7 Wochen ist es her, seit ich öffentlich über eine Tat sprach, die in vielen Ländern als Vergewaltigung gilt, jedoch nicht in dem Land, in dem ich wohnhaft bin. In der Schweiz spricht man nämlich nur dann von einer Vergewaltigung, wenn der Mann mit seinem Penis in die Vagina der Frau eingedrungen ist (als ob Sex nur aus diesem einen Akt bestehen würde, aber dazu ein andermal mehr) und er dabei noch ein Nötigungsmittel angewendet hat. Er muss also entweder zusätzlich physische Gewalt angewendet haben oder sie wenigstens angedroht haben oder zum Widerstand unfähig gemacht haben. Man verlangt vom Opfer somit indirekt, dass es sich zur Wehr gesetzt hat. Wenn das also nicht vorliegt, kann die Tat nicht als Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung bestraft werden. Das sage ich übrigens nicht einfach so aus einer Laune heraus, denn das ist leider unsere aktuelle Gesetzeslage.

Während ich das schreibe, kommt eine neue Nachricht rein:


Mit einer Anzeige gegen den Täter, könntest du verhindern, dass dieser Mensch erneut einer Frau so viel Schmerz zufügen kann. Warum tust du das nicht?

Dieselbe Person hat vor ein paar Wochen geschrieben, dass ich mitverantwortlich bin, wenn dieser Verbrecher erneut eine Frau oder ein Mädchen vergewaltigen soll. Nicht nur sie sondern auch viele andere löchern mich seit Wochen mit den Fragen, warum ich ihn nicht angezeigt habe, unterstellen mir, dass ich deshalb eine Lügnerin sein könnte, dass meine Geschichte nicht glaubhaft sein kann, machen mich dafür verantwortlich, dass ein Vergewaltiger frei herumläuft.

Aber das bin ich nicht. Ich bin nicht dafür verantwortlich wenn er morgens immer noch seinen Kaffee in Ruhe zuhause geniessen kann und an einem Samstagabend ausgelassen Fasching feiern darf. Diese Entscheidung wird mir zum Glück abgenommen. Ja, ich habe ihn angezeigt und ja, er läuft noch frei herum. Aber nicht wegen mir. Denn das habe nicht ich so entschieden.

Was für viele so selbstverständlich zu sein scheint, war für mich ein massiver innerer Kampf. Zeig ihn an! Das ist das einzig richtige, was nach einer solchen Tat zu tun ist! Ist es das?

Ich habe es satt, dass Menschen, die nicht in meinen Schuhen gelaufen sind und deshalb keine Ahnung haben, was ich und viele andere Opfer durchmachen, meinen, sie müssten unseren Weg be- und verurteilen. Wenn mir meine eine Frau* erzählen würde, dass sie vergewaltigt wurde, würde ich ihr erstmal einfach zuhören und danach meine Unterstützung anbieten, egal wie diese aussieht. Ich würde sie aber keinesfalls zu etwas drängen wie das gerade so viele Menschen mit mir tun. Sie verlangen und verlangen. Sie verlangen nach Taten, nach Erklärungen, nach Details, selber aber zeigen sie keinen Funken Verständnis und Empathie. Sie wollen aber sie sind nicht bereit zu geben.

Es ist nämlich nicht so einfach, jemanden anzuzeigen, den man lange sehr lieb gehabt hat. Wenn es irgendein Fremder gewesen wäre, denke ich (ich möchte nichts behaupten weil ich nie in einer solchen Situation war), würde ich sofort Anzeige erstatten. Aber bei einem Freund, der mir sonst nie Leid zugefügt hatte, ist es gar nicht so einfach. Ausserdem sind da viele andere Ängste, die mich so lange davon abhielten, es zu tun. Natürlich frage ich mich, ob ich sein erstes Opfer und damit eine Ausnahme gewesen bin. En Teil in mir trägt diese Wunschvorstellung. Aber selbst wenn? Er hat sich einen Teil von mir genommen, der ihm nicht zugestanden hatte. Und sowieso: Woher soll ich das wissen? Ich hätte ja auch nie im Leben gedacht, dass er mir sowas antun würde.

Ich habe ihn angezeigt und wollte nicht öffentlich darüber sprechen weil ich nicht wollte, dass er es auf diese Art und Weise erfährt. Ich habe ihn angezeigt und habe Angst. Ich habe ihn angezeigt und in mir herrscht ein Gefühlschaos.

Denn obwohl ich Angst habe, fühle ich mich mutig. Weil ich das bin. Jemanden anzuzeigen, mit dem Wissen, was einem alles bevorstehen wird und mit dem Wissen, dass die Chancen einer Verurteilung seinerseits gering sind, ist verdammt mutig. Denn was passiert, wenn es zu keiner Verurteilung kommt? Wird er dann gefeiert? Werde ich noch mehr als zuvor als Lügnerin abgestempelt, obwohl ich klar Opfer einer schrecklichen Tat wurde? Es ist ja nicht so, dass ich seit der Tat schon so ziemlich vieles ertragen musste.

An einem Donnerstagnachmittag nach dem Unterricht sass ich sechs Stunden lang bei der Polizei und habe alles erzählt, was ich wusste, was mir in Erinnerung geblieben ist, was ich fühle. In ein paar Wochen wird es wieder zu einer Einvernahme kommen. Ich werde wieder erzählen müssen, was passiert war. Das Erlebte zum Hundertsten Mal wieder durchleben müssen, damit endlich etwas passiert. Ich weiss, dass mir wieder sehr unangenehme Fragen gestellt werden. Ich weiss, dass es nicht einfach sein wird. Dieses Mal wird aber auch er befragt.

Was ich mir daraus erhoffe? Viele hegen unterschiedliche Wünsche für Täter. Ich nicht. Ich möchte das der Justiz überlassen, denn ganz ehrlich, was ist schon Gerechtigkeit nach einer solchen Tat? Ich werde heilen, egal wie die Justiz entscheidet aber ich werde genauso sehr lange wütend sein und laut, bis sich endlich etwas ändert. Denn was ich ganz klar will ist, dass diese ganze Gewalt gegenüber uns Frauen* endlich aufhört und dass die Menschen endlich aufwachen und begreifen, wie gross das Ausmass der Gewalt uns gegenüber ist.

Ich bin keine Ausnahme. Meine Geschichte ist kein Einzelfall.

Doch die allermeisten Menschen da draussen wissen das nicht weil man es Tätern möglich macht, weiterhin Gewalt auszuüben während man es den Opfern verdammt schwer macht, sich zu öffnen und die Bevölkerung, die mit unangenehmen Details zu konfrontieren. Würde nämlich jedes Opfer, jede Überlebende so wie ich vor ein paar Wochen laut werden, wäre das Weltbild so vieler Menschen erschüttert. Eine unangenehme Wahrheit würde sich langsam in allen Köpfen etablieren und zwar die, dass in der Schweiz laut aktueller Studie bereits jede fünfte Frau Opfer einer sexuellen Handlung geworden ist und dass nur 8% aller Opfer Anzeige erstatten und wenn man das dann hochrechnet, man mit Schrecken feststellen muss, wie viele Täter in der Schweiz frei herumlaufen, als wäre nichts passiert.

Ich denke, dann würde es allmählich den meisten dämmern, dass die Schweiz quasi ein Paradies für solche Vergewaltiger ist. Wir leben in einer Rape Culture und das schon viel zu lange. Es ist Zeit, dass wir langsam zu einer Consent Culture wechseln, bei der Sex nur dann stattfindet, wenn beide es zustimmen.

Nein heisst nicht JA. Ich weiss nicht heisst nicht JA. Teilnahmslosigkeit heisst nicht JA. Ich möchte nicht heisst nicht JA. NUR JA HEISST JA.

Eigentlich selbstverständlich oder? Unser Gesetz sagt etwas anderes und das muss sich ändern. Für mich wird diese Änderung sehr wahrscheinlich zu spät kommen aber sie wird eine Veränderung in so vielen Bereichen zur Folge haben. für so viele. Da glaube ich ganz fest daran. Ni una menos.

p.s Wir müssen einfach alle laut werden, egal ob direkt betroffen oder nicht. Wir brauchen jede Stimme!

11 Kommentare

  1. Danke dir von ganzen Herzen liebe Morena! Ohne deinen Mut hätte ich nicht öffentlich im SRF gesprochen. In der Hoffnung, dass es viele Betroffene von sexualisierter Gewalt lesen möchte ich hinzufügen:

    Und dann fragen sie warum du es zugelassen hast. Warum du dich nicht (mehr) gewehrt hast. Vielleicht fragst du dich das sogar selbst und die Antwort ist nicht einfach und sie ist auch nicht wichtig!
    ❤ Du hast nichts falsch gemacht. Du bist nicht schuld. ❤

    Die Fragen sollte sein: „Warum hat ein Mensch aktiv Missbrauch ausgeübt? Warum hat ein Mensch deine Körpersignale und/oder Worte ignoriert?“

    Ich rede nicht von schlechtem Sex, ich rede von sexualisierter Gewalt. Ich rede von Machtstrukturen in denen Menschen auf Kosten anderer Menschen Gewalt ausüben.

    NEIN ist kein JA. Ich weiß nicht ist kein JA. Ein erzwungenes ja ist kein JA. Ich will eigentlich schlafen ist kein JA. Ich möchte gehen ist kein JA. Was machst du da lass das ist kein JA.

    Ein regungsloser Körper ist kein JA. Ein verkrampfter Körper ist kein JA. Ein Wegdrehen ist kein JA. Das tut weh ist kein JA. Ein weinender Mensch ist kein JA.

    Und NEIN ich will mich verdammt nochmal nicht damit zufrieden geben, dass es immer so war. Es war halt immer schon scheiße.

    Gewalt war noch nie gut! Und es ist wieder und wieder und wieder und wieder passiert.

    Verschiedene Formen. Verschiedene Menschen, aber ähnliche Verhaltensmuster. Ich breche aus. Lasse liegen was passiert ist und erinner mich an dich und dich und dich und dich und… wie euer Leben anders weitergeht, weil ihr nicht checkt, dass ihr Gewalt ausgeübt habt, oder es nicht wahrhaben wollt. TIME IS UP! #abolishrapeculture #metoo

  2. Mde Souris sagt: Antworten

    Toller Text!! Ich hoffe es ändert sich bald etwas… Dafür braucht es Leute wie dich! Danke für deinen Mut!

  3. Faty sagt: Antworten

    Mucho ánimo, sobrina de corazón…. yo di te creo y por desgracia se lo duro que es todo eso…. eres una valiente por haberlo hecho público y haberlo denunciado, yo en su momento me lo trague todo yo sola…. tqm…Faty

  4. Morena sagt: Antworten

    Der Text ist wirklich Augen öffnend. Ich wusste nicht , dass das Gesetz in der Schweiz nur diese Art von sexueller Belästigung als Vergewaltigung ansieht. Das ist nicht akzeptabel und falls irgendwas dagegen unternommen werden kann dann helf ich mit.

  5. Sei dir deiner Kräfte, Bedürfnisse und Möglichkeiten bewußt, dann wirst du auf dem Weg, den du beschreitest, einen Gefährten haben. (Aus Tibet)

    http://www.vergiss-meinnicht.org

  6. Liebe Morena,
    Es ist NIE zu spät.
    Viele sagen jetzt endlich hat sie es getan, endlich hat sie ihn angezeigt. Nur DU allein bestimmst wenn dieses endlich geschieht, wenn du in deiner verletzten Seele bereit bist dazu und das weist nur du allein. Lass Dich NIE von anderen zu etwas drängen wovon Du nicht selber überzeugt bist, nur Du bestimmst den richtigen Zeitpunkt dafür.
    Zu spät ist es nur dann wenn man gar nichts tut und Du hast schon alles Dir mögliche zu diesem jetzigen Zeitpunkt getan. Ob er schlussendlich verurteilt wird liegt nicht in deiner Macht, es wäre aber deiner verletzten Seele zu gönnen und Balsam auf deine Wunde. Eine Narbe wird zurück bleiben und diese Narbe selber wird noch lange schmerzen wenn sie berührt wird, mit der Zeit, unter umständen Jahren wird die Narbe kleiner werden und die Berührungen derselben weniger schmerzen bis nur noch die Errinnerung bleibt.
    Behalte einfach dein Ziel vor Augen: NEIN HEISST NEIN, und das muss in unserer Gesetzgebung verankert werden.
    Du hast vielen anderen Frauen Mut gemacht. Jedes Fass ist einmal voll und es ist nur ein Tropfen der das Fass zum überlaufen bringt, es könnte gut sein, dass DU dieser Tropfen bist.
    Liebe Grüsse und Umarmungen
    Georges
    Ps: bin zu jeder Zeit für DICH da.

  7. Patricia sagt: Antworten

    Schicke dir noch mehr Mut, liebe Morena! ♡ Danke dir für all das, was du au Social Media machst und danke für deine immer wieder solch offenen und wahren Blogposts, in denen du so wichtige Themen ansprichst.
    Nur Ja heisst Ja – voll vollste Zustimmung! Hoffe auch,wenn wir alle zusammen schreien, dann wirds gehört (Betroffene &Nicht-Betroffene).
    Viel Mut,Kraft und Herz für dich!

  8. Andi sagt: Antworten

    Aber die KaPo Aargau meinte, es wäre nie eine Anzeige von dir eingetroffen….seltsam

  9. Clara Koller sagt: Antworten

    Liebe Morenita, du bist so eine mutige, starke, tolle junge Frau. Ich wünsche dir ganz viel Kraft auf deinem Weg! Mach weiter so. Vergiss nicht, dass du NIE schuld bist und ich hoffe sehr für uns alle, dass sich die Gesetzgebung endlich verbessert und auf unserer Seite steht. Alles Liebe Clara
    #abolishrapeculture #neinheisstnein

  10. Michel Gellertini sagt: Antworten

    Sehr geehrte Frau Diaz

    Gleich zu Beginn: Erstens bin ich der festen Meinung, dass sexuelle (und zahlreiche andere) Handlungen nur vorgenommen werden dürfen, wenn alle Beteiligten den Wunsch nach diesen Handlungen haben. Zweitens: Wie nackt oder angekleidet oder aufreizend oder abweisend Sie sich auf Ihren Instagram-Fotografien zeigen, ist in der vorliegenden Angelegenheit sachlich nicht von Belang. Was Sie jedoch an Worten verbreiten, ist von Bedeutung.

    Das meiste ist nicht so simpel, wie es auf Instagram und anderen grossartigen Volksbildungskanälen dargestellt und meist unüberlegt und unbedarft bejubelt wird. Deshalb im Folgenden einige Klarstellungen. Wer will, kann sich mit offenem Geist vertiefte Gedanken dazu machen; Beschimpfungen und Verdächtigungen meiner Person sind nicht zielführend.

    Frau Diaz, Sei schreiben andernorts, „Ein Opfer ist nie irgendjemandem Rechenschaft schuldig“. Doch. Auch ein Opfer hat eine Verpflichtung, wenn es zum Handeln imstande ist. Und Sie zeigen mit Ihrer regen Aktivität, dass Sie diese Voraussetzung erfüllen und in der Lage sind zu handeln. Ein Opfer, das nur hinnimmt und schweigt, nimmt in Kauf, dass der Täter weitere Opfer behelligt. Und ein angebliches Opfer, das einen angeblichen Täter beschuldigt, schafft Unrecht.

    Ich bitte Sie höflich, zur Kenntnis zu nehmen – Sie sind Lehrerin und damit recherchier- und lernfähig –, dass im Strafrecht nicht nur die Vergewaltigung (Art. 190 StGB) behandelt wird, die Sie Ihrer Meinung nach erlitten haben, sondern auch die sexuelle Nötigung (Art. 189 StGB), die Sie gemäss Ihrer Tatverlaufsschilderung – Sie berichten, Sie seien durch psychischen Druck zum Widerstand unfähig gemacht worden und der behauptete Täter habe bemerken müssen, dass Sie nicht einwilligten und sich nicht mehr wehren konnten – geltend machen könnten: Beide können, man lese und staune, mit bis zu zehn Jahren Freiheitsentzug bestraft werden. Bitte lesen Sie das genau – trotz Ihrer unbändigen Wut. Beide Taten werden fast gleich bestraft; beide sind Offizialdelikte und verjähren nach der gleichen Zeitdauer, und der Gesetzgeber ist der Meinung, eine sexuelle Nötigung nach den Art. 189 StGB sei für das Opfer eine ähnlich schwere Beeinträchtigung wie eine Vergewaltigung. Es gibt also keine Strafbarkeitslücke. Die Forderung nach neuen Gesetzen in diesem Bereich ist unnötig und Augenwischerei und oft gar populistisch: Man sollte nicht beklagen, was in anderen Ländern gelte, sei besser, wenn man versäumt, die Gesetze im eigenen Lande zu lesen – und wenn diese ausreichend Handhabe bieten, eine erwiesene Straftat zu ahnden. Es mag für Sie frustrierend klingen, so wie vieles im Leben – auch in meinem Leben – ärgerlich und schmerzhaft und frustrierend ist, es ist jedoch nicht zu behebende Realität: Wenn Sie jemandem heute einen Übergriff dieser Art nicht nachweisen können, könnten Sie denselben Übergriff auch mit einem neuen Gesetz nicht nachweisen – es sei denn, Sie hätten die Idee, inskünftig müssten Beschuldigte vor dem Richter ihre Unschuld beweisen. Das aber wäre eine verwerfliche Idee, von der ich nicht annehme und hoffe, dass Sie sie mit sich tragen.

    Sie beklagen, dass Sie vor der Polizei präzise und Sie schmerzlich berührende Aussagen haben machen müssen. Ich begreife, dass solche Aussagen schmerzlich berühren – ich habe es in einem anderen Bereich erleben müssen -, aber sie gehören fraglos zu einer ordentlichen Anzeige. Wie, denken Sie, soll man einen Täter zur Rechenschaft ziehen, wenn nicht mit präzisen Aussagen des Beschuldigers, wenn es keine Zeugen und keine Aufzeichnungen gibt? Mit Vermutungen? Mit einem anonymen Brief? Mit Statistik? Mit Tränen des angeblich Geschädigten? Mit einem Lügendetektor? Ich hoffe nicht, dass Sie meinen, man solle inskünftig Anzeigen einreichen dürfen, die nicht präzise und sehr detailliert und vollständig und umfassend vor Beamten erläutert werden müssen. Das durfte man in der spanischen Inquisition und in Hexenprozessen, Frau Diaz, und diese unseligen Zeiten sind, übrigens vor allem im Interesse der Frauen, vorbei.

    Bedauerlich ist, dass Sie mit Ihrem Vorgehen ein gehässiges und unüberlegtes Hickhack von allen Seiten ausgelöst haben, das nichts zur Klärung dieses Falles und zur Verhinderung zukünftiger Fälle und zum Umdenken bei potenziellen Tätern beiträgt, sondern die Fronten verhärtet und allseitigen Hass schürt. Sie hätten sich schon längst auf den Weg begeben begeben können, den der Rechtsstaat für solche Fälle vorsieht. Sie aber haben die öffentliche Beschuldigung gewählt – Sie erlauben mir die Bemerkung: auch zum Vorteil Ihres auch kommerziell genutzten Instagram-Kontos. Nun sind anscheinend die Stimmen, die Ihnen vorwerfen, Sie schützten – so Sie denn mit Ihrer Anschuldigung recht haben – einen Täter, so zahlreich geworden, dass Sie sich zum Schutz Ihrer Glaubwürdigkeit doch noch zur Polizei haben begeben müssen. Wenn Ihre Anzeige fruchtlos bleibt, werden Sie behaupten können, man habe Ihnen nicht geglaubt.

    Das Ganze ist eine rundum unerfreuliche Sache, die Sie mit mehr Umsicht – „sine ira et studio“ – hätten handhaben können – von Anfang an und am besten auch mit professioneller Hilfe, denn auch wenn Sie Lehrerin sind, können Sie, wie wir alle, das meiste nicht, um mit einem Scherz zu schliessen…

    Ich bedauere Ihr Leid, und ich wünsche Ihnen bei Ihrem zukünftigen Vorgehen weniger Wut und Hass und mehr Ratio und Frieden, und ich grüsse Sie freundlich.

  11. Georges Schrepfer sagt: Antworten

    Liebe Moehreniiiita,

    es ist ruhig geworden um dich.
    Es ist an der Zeit eine „Vergewaltigung“ vorzutäuschen, damit du wieder ins Gespräch kommst mit deinen dreckigem Gedankengut.

    sine ira et studio

    Georges

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